Wie benutzt man den Online-Timer?
Kinder erleben Zeit über Handlungen, nicht über Zahlen. Ein Kindergartenkind weiß, dass nach dem Aufräumen der Morgenkreis kommt, aber nicht, wie lang zehn Minuten sind. Deshalb wirken Ansagen in Minuten im Alltag oft folgenlos, während eine sichtbar ablaufende Dauer oder eine bekannte Einheit wie ein Lied sofort verstanden wird und den Erwachsenen aus der Rolle des Antreibers nimmt.
Die Konflikte im Familienalltag sitzen fast alle an denselben Stellen, und es sind Übergänge: das Ende des Spiels, der Weg zur Kita, Zähne, Hausaufgaben, Bildschirmzeit, Bettgehen. Eine vorher getroffene Absprache verlagert die Auseinandersetzung vom Moment des Abbruchs auf einen Zeitpunkt, an dem beide Seiten noch ruhig sind. Eine kurze Vorwarnung vor Schluss gehört dazu, denn abrupte Enden erlebt ein Kind als ungerecht.
Nicht jede Tätigkeit verträgt eine feste Dauer. Zähneputzen und Bildschirmzeit lassen sich klar begrenzen, Vorlesen und Hausaufgaben eher rahmen als abschneiden. Ältere Kinder stellen die Zeit sinnvollerweise selbst ein und schätzen vorher, wie lange etwas dauern wird; diese Schätzung wird über die Jahre genauer und ist der eigentliche Lerneffekt, der später in der Schule beim Einteilen von Aufgaben trägt.